Lohnt sich der Immobilienerwerb in Berlin noch?

Zehn Prozent – so hoch fiel der Preiszuwachs für Eigentumswohnungen in Berlin allein im Verlauf des Jahres 2018 aus. Vor diesem Hintergrund ist die Frage durchaus legitim, ob der Eigentumserwerb aktuell überhaupt noch sinnvoll ist, oder ob Kaufinteressenten vielleicht besser ein paar Jahre abwarten sollten. Für die wirtschaftliche Beurteilung eines Immobilienkaufs sind allerdings noch zahlreiche weitere Faktoren wichtig, wie die folgenden drei Punkte zeigen:

1. Günstige Kredite erleichtern den Erwerb

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sorgt dafür, dass Baukredite aktuell so günstig ausfallen wie selten zuvor. Zahlen des Baufinanzierers Interhyp zufolge bewegt sich das Zinsniveau für eine Finanzierung mit zehnjähriger Sollzinsbindung aktuell bei 0,94 Prozent per annum. Zum Vergleich: Anfang des Jahres 2010 lag der entsprechende Wert noch bei etwa 4,2 Prozent. Auf den Zeitraum von zehn Jahren hochgerechnet fallen für eine Wohnung im Wert von 300.000 Euro beinahe 100.000 Euro weniger Zinsen an. Wie lange diese niedrigen Zinsniveaus noch anhalten werden, hängt von zahlreichen weltpolitischen und -wirtschaftlichen Faktoren ab. Es ist nicht abzusehen, ob sich in einigen Jahren die Vorzeichen umkehren. Wer jedoch noch im aktuellen Zinsumfeld einen Kredit abschließt, sichert sich die günstigen Konditionen auch bei einem Anstieg des allgemeinen Zinsniveaus.

2. Immobilien sind ein wichtiger Punkt bei der Vermögensbildung

Lange Zeit war es auch in Berlin erschwinglicher zu kaufen, anstatt zur Miete zu wohnen: Ein direkter Vergleich zwischen dem Kapitaldienst für einen Wohnimmobilienkredit und der Jahresnettokaltmiete fiel zugunsten von ersterem aus. Inzwischen hat sich dies dem Analysehaus Empirica zufolge jedoch gewandelt: Während für den Eigentumserwerb in Berlin im Schnitt 38,5 Prozent des Haushaltseinkommen benötigt werden, fallen für eine gleich große Mietwohnung lediglich 22,9 Prozent des Einkommens an. Eines muss dabei jedoch bedacht werden: Diese 38,5 Prozent tragen direkt zur Vermögensbildung und zur Altersvorsorge bei – während Mieterinnen und Mieter auf andere Art und Weise vorsorgen müssen. Wenn beispielsweise 20 Prozent des Einkommens zur Seite gelegt werden sollen, bleibt unterm Strich weniger frei verfügbares Kapital für die schönen Dinge des Lebens.

3. Berlin holt im deutschen und internationalen Vergleich noch auf

Keine Frage: Wer vor 10 oder 20 Jahren eine Eigentumswohnung in Berlin gekauft hat, kann sich glücklich schätzen. Es ist wahrscheinlich, dass die Preise in den 2020er Jahren nicht mehr mit derselben Dynamik ansteigen werden. Im direkten Vergleich mit Frankfurt am Main, Hamburg und München ist die Bundeshauptstadt jedoch nach wie vor erschwinglich. In München beispielsweise fallen die Quadratmeterpreise dem Portal immowelt.de zufolge doppelt so hoch aus wie in Berlin. Hier besteht also durchaus noch Luft nach oben.

Gleichzeitig verzeichnet Berlin sowohl in der Wirtschaft als auch beispielsweise in der Hotellerie und im Tourismus deutlich stärkere Zuwächse als die anderen deutschen Metropolen. Immer häufiger wird die Stadt in einem Atemzug mit den europäischen Weltstädten Paris, London oder Rom genannt und zieht zahlreiche Neuankömmlinge an. Dies hat zur Folge, dass die Nachfrage nach Wohnraum in den kommenden Jahren deutlich steigen wird – und damit besteht auch eine ideale Grundlage für langfristig positive Preisentwicklungen.