Den passenden Baustil für sich finden

Gründerzeit, Fabrik-Loft oder Bauhaus: Auf der Suche nach der richtigen Immobilie begegnet man vielen verschiedenen Baustilen – vor allem in Berlin.  Von den strengen Linien der 1950er-Jahre über verspielte Rundungen des Jugendstils bis hin zum Fassadenprunk des Historismus lassen sich je nach Gegend in der Hauptstadt etliche Architekturstile bewundern. Doch wie und vor allem wo findet man den passenden Baustil für sich und worauf sollte man achten?

Berlins wichtigste Baustile – gestern und heute

Die heutzutage so begehrten Altbauviertel Berlins entstanden in der Gründerzeit um 1900 aufgrund des großen Zuzugs von Arbeitern infolge der Industrialisierung. Erstaunlich: Die schicken Häuserblöcke mit Hinterhöfen waren ursprünglich als Arbeiterquartiere errichtet worden. Wohnbauten aus der Gründerzeit zeichnen sich durch ihre hohen, mit Stuck verzierten Fassaden und Decken sowie durch Erker aus. Sie sind in Prenzlauer Berg noch an beinahe jeder Straßenecke zu sehen, denn dort befindet sich das größte zusammenhängende Gründerzeitviertel Deutschlands.

 

Durch die weiterhin starke Bevölkerungszunahme wurden bis 1920 zentrumsnahe Gebiete Berlins mit Mietskasernenblöcken verdichtet. Zu den Wohnhäusern im Stil der Gründerzeit kamen Häuser im Jugendstil hinzu, die Verzierungen mit floralen Ornamenten, hohe Fenster und prächtige Hauseingänge aufweisen. Musterbeispiele für den Jugendstil können vor allem in Charlottenburg und in den Hackeschen Höfen in Mitte bestaunt werden.

Die modernen Goldenen Zwanziger

In den 1920er- und 1930er-Jahren wich der verschnörkelte Jugendstil dann der Berliner Moderne, deren Baustil heutzutage jedes vierte Wohnhaus in Berlin prägt. Gebäude dieses Architekturstils sind vor allem an der Zeilenbebauung mit Grünanlagen erkennbar sowie durch glatte, schmucklose Putzfassaden. Wohnbaugesellschaften ließen hierzu hauptsächlich außerhalb des S-Bahn-Rings Großsiedlungen entstehen, die sich durch mehr Licht und Grün deutlich von den Mietskasernen mit ihren dunklen Hinterhöfen abhoben. Die Hufeisensiedlung Britz und die Großsiedlung Siemensstadt sind typische Wohnbauten dieser Epoche.

 

Nach dem Bau der Mauer galten Plattenbauten als bevorzugter Architekturstil in Berlin – Wohnen sollte so effizient und funktional wie möglich werden. Daher wurden Altbauten vernachlässigt und sogar abgerissen, um Platz für die neuen Ideen der Planer zu schaffen. Beispiele für Plattenbauten lassen sich hauptsächlich an den Stadträndern im Westen oder auch in der Rollbergsiedlung in Neukölln wiederfinden.

 

Inzwischen können sich allerdings nur noch wenige Berliner dafür begeistern, „in die Platte“ zu ziehen. Der Geschmack und auch die Ansprüche vieler Hauptstädter haben sich gewandelt: Anstatt der reinen Funktionalität steht wieder eine hohe Lebensqualität im Mittelpunkt. Was die Einflüsse der verschiedenen Epochen betrifft, wird dabei heutzutage auch experimentiert und kombiniert. Der Fachbegriff dafür: Eklektizismus.

Die richtige Bau-Epoche für sich finden

Bevor man sich auf einen Baustil festlegt, sollte vorab abgewogen werden, worauf der Fokus bei der idealen Immobilie liegen sollte, denn der Baustil einer jeden Epoche birgt sowohl Vor- als auch Nachteile. Während die Bauten der Gründerzeit und des Jugendstils mit ihren hohen Decken, Stuck und Dielen für einen unverwechselbaren Altbaucharme sorgen, kann sich der ein oder andere möglicherweise dennoch nicht mit der Hellhörigkeit dieser Wohnhäuser anfreunden. Neuere Bauten weisen zwar eine niedrigere Raumhöhe auf, überzeugen hingegen durch ihren modernen Charakter, die gut geschnittene Wohnraumaufteilung sowie durch eine deutlich bessere Wärme- und Lärmdämmung.

 

Auf der Suche nach dem geeigneten Baustil für sich spielt zudem die Wunschlage des nächsten Eigenheims eine zentrale Rolle. So lassen sich Wohnbauten der Gründerzeit häufig in beliebten Innenstadtkiezen wie Prenzlauer Berg, Kreuzberg oder Friedrichshain vorfinden. Wohingegen Wohnungen mit mehr Grün eher etwas abseits des Zentrums anzutreffen sind, beispielsweise in den Bauten der Berliner Moderne.

 

Daher ist es empfehlenswert sich zunächst in den entsprechenden Vierteln ausgiebig umzuschauen, um nicht nur etwaige Baustile, sondern auch die Umgebung näher kennenzulernen und so die für sich beste Entscheidung treffen zu können.